Maschinenraum

Micoto Szillat

Ich bin kaum älter als 30 Jahre und manchmal beeindrucke ich meine Mitmenschen, wenn ich davon erzähle, dass ich seit ca. 15 Jahren Linux einsetze. Damals war ich bereits mehrmals bei LAN-Partys gewesen und habe dort viel über Computer-Netzwerke gelernt. Fasziniert von dem Thema wurde ich natürlich vom Internet magisch angezogen und so habe ich – wie viele in meinem Alter – meiner Mutter ein paar hohe Telefonrechnungen eingebrockt, bis ich Kunde bei dem ersten Unternehmen war, das ISDN-Zugänge als Flatrate anbot.

So kam es, dass ich einen günstigen Router brauchte. Der berüchtigte WLAN-Router von Linkys ist erst ein paar Jahre später herausgekommen und so nahm ich erst einmal meinen alten 486er daher und installierte Linux. Damit war ich 24 Stunden am Tag online, von zu Hause aus. Ich begann, meine Homepage zu basteln und von daheim zu hosten.

Für die Clique, mit der ich meine ersten Festival-Besuche verbracht habe, installierte ich dort ein Forum und fühlte mich sichtlich wohl in meiner Rolle als Admin. Da kam übrigens Slackware zum Einsatz. Gebildet durch diese Erfahrungen kam ich 2004 zu meinem ersten eigenen Server im Rechenzentrum und konnte dort loslegen mit Qmail und Courier IMAP. Mittlerweile hatte ich mich mit Gentoo Linux angefreundet.

Auf Empfehlung meiner Freunde begann ich nach dem Zivildienst nicht mit einer Berufsausbildung, sondern mit einem Studium der Informatik und Philosophie. Da habe ich mich auch gleich zum Fachschaftsrat wählen lassen, war dann IT-Referent des AStA, gab ein Linux-Tutorium und verdingte mich als Wissenschaftliche Hilfskraft.

Damals begann ich auch mit meiner gewerblichen Tätigkeit als freier Systemadministrator. Zunächst ging es um Büronetzwerke, aber ein paar Jahre später kamen auch spannende Dinge wie Aufbau eines Web-Clusters und Software-Entwicklung hinzu.

Weil der Job für mich Priorität hatte und das Studium immer mehr Liebhaberei für mich wurde, habe ich keinen Abschluss gemacht. Ich wollte weiter praktisch als Admin tätig sein und entschied mich gegen Wissenschaftliche Karriere oder leitende Positionen in der Wirtschaft.

Mein Engagement habe ich dann weiter beim Chaos Computer Club einfließen lassen. Nachdem ich vom Congress, Security-Hacks und Kunstaktionen immer wieder begeistert war, wollte ich auch etwas beitragen. Die Düsseldorfer Truppe hatte gerade neue Räume aufgetan und da habe ich gleich volle Energie in den Aufbau eines neuen Hackerspaces gesteckt.

Aus meiner Sicht ist ein Hackerspace wie ein Büro und eine LAN-Party. Es sollte an jedem Platz Gigabit-Netzwerk und flächendeckend WLAN geben. Der Server spielt die Musik ab, die über Boxen in die Räume verteilt wird. Nerds wie ich finden dort einen geschützten Raum, in dem sie gemeinsam die Abende verbringen können, ohne zu vereinsamen oder sich von der Außenwelt zu verstecken. Meine Leidenschaft fürs Kochen konnte ich da auch gut ausleben und kochte für 20 oder mehr Menschen – manchmal täglich.

Meine Ambitionen für Computer-Netzwerke gingen natürlich weiter und so begann ich anschließend, die Düsseldorfer Freifunk-Community zu befeuern. Schnell habe ich die Verantwortung für die Router bekommen und bemühe mich seitdem um einen freien Internet-Zugang, der an immer mehr Stellen in meiner Stadt – wie in vielen anderen – nutzbar wird.

Ein anderes spannendes Projekt ist CryptoParty. Die Idee ist es, Menschen zusammen zu holen und sie praktisch den Umgang mit Kryptographie lernen zu lassen. Verschlüsselung, Freie Software, Protokolle, Metadaten… diese Dinge sollen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Und man weiß nie, welcher Whistleblower gerade anonym an der Party teilnimmt. Die erste CryptoParty im Chaosdorf habe ich übrigens mit Daniel zusammen veranstaltet, der damals gerade bei jonaspasche.com seine Arbeit begonnen hat.

All diese Projekte haben für mich etwas gemeinsam. Es ist die Offenheit und die Bereitschaft für gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit. Ich möchte, dass Menschen die Infrastruktur für ihre Zwecke nutzen können, ohne sich gleich tief darin einarbeiten zu müssen. Aber ich möchte auch, dass sie Fragen beantwortet bekommen und einen Einstieg in die Technologie finden.

Als ich bei einer Journalisten-Konferenz nach meinem Tun gefragt wurde, antwortete ich “Sysadmin with educational approach”. Ich glaube, das beschreibt es recht gut. Und so denke ich, dass ich bei Jonas Pasche und seinem Team gut aufgehoben bin.

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